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Old 07-08-2007, 12:00 PM
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Diddn Diddn is offline
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Hallo,

heute hatte ich die Gelegenheit, die Costa Atlantica in Amsterdam zu besichtigen.

Von den Costa-Schiffen kannte ich bislang die Marina von einer Besichtigung in 2004 und einer Kreuzfahrt in 2005. Somit war mir das Costa-Produkt vertraut und ich wußte in etwa, was mich erwartet. Der Costa Atlantica bin ich bisher zweimal begegnet, und von außen machte sie jedes Mal - wie auch heute - einen herorragenden Eindruck auf mich.

In Amsterdam angekommen, stutzte ich zunächst. Nach Voyager of the Seas, Carnival Freedom und Emerald Princess (alle in den letzten acht Wochen) wirkte sie fast zierlich auf mich. Dieses Empfinden verging schnell; es ist ein ausgewachsenes Schiff mit einer Kapazität von rund 2100 Passagieren bei 999 Kabinen, davon die meisten mit Balkon.

Größtenteils geführt, später auch auf eigene Faust konnte die Gruppe, mit der ich dort war, das Schiff 'auf Herz und Nieren' ansehen. Den hier schon gelesenen Eindruck, ein buntes Schiff betreten zu haben, kann ich so nicht teilen. Ich empfand sie farbenmäßig als begrenzt lebhaft; schreiende Kombinationen sind mir nicht aufgefallen. Unser Rundgang begann auf Deck 10 im Club Atlantica, welcher sich abends zum Zuzahl-Restaurant wandelt. Ein Flügel und eine Tanzfläche lässt jedoch der Phantasie freien Lauf, was man mit diesem Raum, halb unter einer Glaskuppel gelegen, noch alles anfangen könnte.

Die Lounges und Bars wurden danach abgegangen. Vereinzelte Sitzproben (Was nützt des beste Design, wenn sich mein A...llerwertester darin nicht wohl fühlt?!) in den unterschiedlichen Möbeln waren allesamt absolut zufrieden stellend.

Sehr gut emfand ich die Bestuhlung des großen Theaters. In den vorderen Reihen sind kleine Cocktailtische montiert, in den höheren Reihen lässt sich das Ende der Armlehnen aufklappen, so daß man eine Abstellfläche für zwei Gläser o. ä. je Sitz hat. Auch das kleinere Theater darunter, auf Deck 1, bietet Cocktailtische und bequeme Sitzmöbel. Bei beiden Theatern ist die Sicht zur Bühne frei, so daß es nirgendwo Kämpfe um bessere oder schlechtere Plätze geben dürfte.

Die öffentlichen Räume befinden sich ganz unten und ganz oben auf dem Schiff; Decks 4 - 8 sind den Kabinen vorbehalten. Achtung: Hier gibt es (auf Decks 4 und 5) auch eine Reihe von Balkonkabinen mit eingeschränkter Sicht - die Rettungsboote hängen davor. da die oberen Decks etwas zurück springen, würde ich ab Deck 6 aufwärts buchen - dann kann mir niemand von oben auf den Balkon spucken.

Alle Kabinenkategorien konnten besichtigt werden: einige Kabinen waren als Musterkabinen hergerichtet, aber auch andere Kabinen konnte man kurz in Augenschein nehmen. Überall war die Einrichtung neuwertig, wie das ganze Schiff kaum irgendwelche Gebrauchsspuren aufwies. Die Kabinen waren insgesamt großzügig, auch die Bäder waren größer als erwartet. Lediglich die Veranda-Suiten erschienen mir dem Begriff "Suite" nicht ganz zu entsprechen. "Junior Suite" würde hier sicherlich besser passen. Die Balkone sind jedoch tatsächlich groß. Bei den Suiten sind die Metallmöbel mit Netzbespannung der normalen Balkonkabinen gegen Holzmöbel getauscht, was sehr gut wirkte. Die größten Balkone findet man bei den Suiten am Heck, da diese tiefer sind und um die Ecken herum reichen.

Herrlich waren die Sonnendecks, oft mit Teakbelag. Warum ausgerechnet das Deck, auf dem sich die Shuffleboard-Felder befinden, nicht damit ausgerüstet ist, entzieht sich meiner Kenntnis.

Die großen Pools und (relativ kleinen) Whirlpools waren jeweils für sich abgegrenzt, so daß auch hier kein Gefühl der Massenabfertigung auf kam. Im Gegenteil: überall auf dem Schiff hatte man den Eindruck, kleine persönlich gehaltene Bereiche zu betreten. Jeder Poolbereich verfügt über eine eigene Bar; eine weitere Bar ist ein Deck höher. Kurze Wege also am Seetag zur nächsten Erfrischung. Die Wasserrutsche auf dem Oberdeck tut ein Übriges dazu. Springbrunnen und Wasserspiele stellen überall einen gelungenen Bezug zum das Schiff umgebenden Element her. Besonders hübsch und gelungen fand ich den Springbrunnen im Inneren, der von einer hölzernen Doppeltreppe umwunden ist. Allein hier vor könnte ich stundenlang stehen, staunen und genießen.

Überhaupt besticht das Schiff dank drei großzügig bemessener Treppenhäuser und Aufzug-Gruppen durch (relativ) kurze Wege.

Auch der Fitnessraum und das Spa machen einen absolut neuwertigen Eindruck. Warum die außen liegende Sauna (nach Geschlechtern getrennt und mit Textilzwang) jedoch eine zusätzliche Milchverglasung besitzt, die den Blick nach draußen verwehrt, ist mir schleierhaft. Der Ruhebereich dagegen (ganze sechs Liegen!) ist dagegen innen untergebracht, mit Aussicht auf (zugegebenermaßen adrett geschichtete) Handtuchstapel. Hier drängt sich ein 'Warum?' geradezu auf.

Zwischenzeitlich ging es zum Mittagessen. Die Auswahl war nicht so üppig als bei der Besichtigung der Costa Marina vor drei Jahren. Es gab für unsere Gruppe zwei Vorspeisen (Fleisch und Fisch) zur Wahl, ein Pastagericht, zwei Hauptspeisen zur Wahl (Fleisch und Fisch) und ein Dessert. Die Qualität des Essens würde ich als gut bis sehr gut bezeichnen. Niemand moserte, es schmeckte einfach gut. Zum 'hervorragend' fehlte aber noch irgend etwas. Zumindest Gewürze, denn diese waren zunächst offenbar nicht vorhanden. Salz und Pfeffer halfen darüber hinweg. Insgesamt konnte die Küche jedoch die 2004 auf der Marina recht hoch gelegte Latte nicht überspringen.

Der Service zum Essen lag unter dem Küchenniveau. Lediglich der Wein wurde einmal eingeschenkt; für das Wasser, wie für einen zusätzlichen Tropfen Wein galt: Selbstbedienung. Man bemerkte nicht, daß die Butter ausgegangen war, und bedient wurde (am runden Achtertisch, an dem jeder Platz gut erreichbar war) mal von links, mal von rechts, mal beidseitig (erst wurde beim Abräumen mit links, dann mit rechts um den Gast herumgegriffen, während der Kellner hinter dem Gast stand). Da ein Gast am Tisch die Pasta aus ließ (dies war ein Fehler des Gastes; die Bandnudeln waren klasse!) erhielt er sein Fleischgericht bereits, als alle anderen gerade mit der Pasta begonnen hatten. Zu diesem Zeitpunkt waren die Messer jedoch noch nicht gegen Steakmesser getauscht. Dies fand einige Minuten später statt, während des Pasta-Ganges und unter Ignorierung des bereits an seinem Fleisch säbelnden Gastes.

Sehr gut übrigens die Standorte der Kellnerstationen, etwas abseits der Tische.

Nach dem Mittagessen durchquerten wir das Buffetrestaurant, in dem sich die ersten an Bord gekommenen Gäste verpflegten. Auch hier sah alles appetitlich aus, und die, die bereits mit dem Essen fertig waren, hinterließen leere Teller - ein gutes Zeichen, wie ich finde.

Zum Abschluß gab es einen Kaffee in einer Bar. Zufällig war hier zeitgleich mit unserer etwa 80-köpfigen Gruppe noch eine kleinere Gruppe anwesend, was den Service sichtlich überforderte. Ein einziger Kellner gab sein Bestes, was aber nicht reichte. Die Enttäuschung war groß, daß ausgerechnet auf einem italienischen Schiff der Cappuccino lauwarm serviert wurde. Schlimmer waren die Teetrinker dran: Nach langer Wartezeit erhielten sie heißes Wasser und einen Beutel "Winter Tea" - mit Zimtaroma. Sicherlich gut zur Vorweihnachtszeit passend, wirkte dies Anfang Juli nur deplatziert. Ein sehr krasser Gegensatz zur Tea Time auf der Emerald Princess vor wenigen Wochen, zu der mehrere (circa 20) Sorten Tee (passend zur Jahreszeit) zur Wahl standen.

Erwähnenswert ist die Freundlichkeit des Personals. Besuchergruppen sind, besonders am Tag des Gästewechsels, immer eine zusätzliche Belastung für alle Angestellten. Stets begegnete man uns, allein oder in der Gruppe, freundlich und aufgeschlossen - herzlichen Dank!

Nun die berühmte Frage, ob ich mir eine Reise an Bord der Costa Atlantica vorstellen könne: Ja. Ja. und nochmals: ja! Kein Kirmesdampfer, bietet sie ruhige Gediegenheit in einem für mein Empfinden gar nicht (zu) bunten Design, mit vielen ruhigen Ecken, weitläufigen Decksflächen, gut geschnittenen Kabinen und einer guten bis sehr guten Küche. Reizen würde mich spontan die Transatlantik-Reise im Herbst, denn Langeweile kommt hier sicherlich nicht auf, und die Route (mit angehängter Turnusfahrt) ist wunderschön. Schade, daß Costa das eigentlich sehr gute Preis-/Leistungsverhältnis mit einem 80 %-igen Einzelkabinenaufschlag zumindest für Einzelreisende wieder kippt. Also muß dieser Traum warten - aber ein Traum, der nach Erfüllung verlangt, ist es zweifellos.

Gruß

Diddn