Nachdem wir in den letzen Jahren immer abwechselnd mit Costa oder MSC gefahren sind, fiel die Wahl dieses Mal wieder auf MSC und das Flagschiff Musica.
Die Anreise zur Kreuzfahrt erfolgte mit dem Bus von Ideal Tours. Die Fahrt verlief sehr angenehm. Ideal Tours hat jeweils 2 Busfahrer und eine Hostess an Bord. Die Zwischenübernachtung fand im Raum Verona statt. Am nächsten Tag ging es um 8.00 Uhr nach Genua, wo wir kurz vor 12.00 Uhr eintreffen. Dort wurde unser Bus erstmal auf einen Zwischenparkplatz geschickt, wo auch schon andere Busse warteten. Nach ca. einer halben Stunde fuhr unser Bus dann zum Terminal, wo wir ausstiegen und zum Check-in geführt wurden.
Dieser verlief aufgrund vieler geöffneter Schalter sehr zügig und wir waren um ca 13.30 Uhr bereits in unserer Balkonkabine achtern. Der Balkon hier ist sehr groß und windgeschützt.. Nachteil allerdings ist die Verschmutzung vom offenen Bereich des Restaurants, drei Decks weiter oben. Morgens fanden sich regelmäßig Zuckertüten, Croissantkrümel und leider auch Zigarettenkippen. Anscheinend haben einige noch nicht kapiert, dass man Abfälle nicht über die Reling wirft. Der Stauraum in der Kabine reichte gerade so aus. Die Kabine selbst war um einiges kleiner als die auf der Mediterranea letztes Jahr.
Danach ging es erstmal zum Essen und anschließend ein Rundgang übers Schiff. Dabei der erste Schock. Ich hörte nur deutschsprachige Passagiere. Waren wir hier auf einem italienischen Schiff oder einem deutschen. Später stellt sich dann auch heraus. Ca 80 % der Gäste kamen aus dem deutschsprachigen Raum. Der Rest verteilt sich auf Italiener, Franzosen, einige Spanier, Engländer und Japaner. Ein Bespiel: für den Ausflug nach Leptis Magna gab es 14 deutsche Busse, zwei gemischt deutsch/französisch und einer italienisch/englisch.
Gegen 16.30 Uhr war die Rettungsübung angesagt. Unser Treffpunkt für die Rettungsübung war die Crystal Lounge. Es mag ja ganz angenehm zu sein, sich dort aufzuhalten, für den Notfall sehe ich aber schwarz. Wenn keiner weiß welches Rettungsboot er aufsuchen muss, wird das im Chaos enden. Wenn man nur sieht wie die Leute bei Ausflügen, oder wenn’s ums Essen geht, drängeln, möchte ich keinen Notfall erleben. Wie immer sind die Stockträger die Gefährlichsten. Nach der Übung wieder die Unsitte gleich die Rettungsweste ausziehen und die Bänder am Boden hinterherziehen, damit auch die nachfolgenden die Gelegenheit haben, einmal draufzutreten. Leider hat mich meine Frau daran gehindert auf eins zu treten und so einem drängelnden Kappenrentner den Bodenkontakt zu ermöglichen.
Da wir die zweite Essenszeit hatten, gab es um 18.00 eine Willkommensinformation mit Ausflugsbesprechung. Die Qualität dieser Veranstaltung war so ziemlich das mieseste was ich bisher auf unseren Kreuzfahrten erlebt habe. Der deutsche Host (Typ Berufssoldat im Vorruhestand) gab ein paar Informationen, dazwischen stellte sich das Animationsteam vor und zum Abschluß gab es für die Ausflüge eine Power-Point
Präsentation mit Stimme vom Band. Leider stimmten die Bilder nicht mit der Ansage vom Band überein. Egal, das ganze war sehr schnell vorbei und wer dann nicht genug verwirrt war, konnte seine Ausflüge gleich buchen.
Um 20.15 war die zweite Essenszeit angesagt. So um ca. 20.25 wurde dann der Speisesaal geöffnet, wobei die Kellner mit dem eindecken noch nicht ganz fertig waren. Deshalb standen auch keine Kellner bereit um die Gäste zum Tisch zu bringen. So irrten ein paar hundert Gäste zwischen den Tischen, um den richtigen zu finden. Nach einer gewissen Zeit konnte dann mit Hilfe der Kellner das Chaos entzerrt werden und jeder saß an seinem Platz.
Wir hatten einen 8-Personen Tisch am Fenster. Hier ein gewaltiger Minuspunkt des Restaurants L’ Oleandro. Die Tische stehen viel zu dicht aneinander und sind verhältnismäßig klein. Im Le Maxim sind die Platzverhältnisse wesentlich großzügiger. Unser runder 8’er Tisch wäre für sechs Personen genau richtig gewesen, bei acht Personen sind die Platzverhältnisse ähnlich der Touristenklasse im Flugzeug. Die Enge und auch die relativ geringe Deckenhöhe ergeben einen Geräuschpegel, dass man sich mit den Personen gegenüber nur schwer unterhalten kann. An unserem Tisch waren Gäste, die im November auf der Musica waren und so begeistert waren, dass sie gleich im Januar wieder gefahren sind. Allerdings waren im November 200 Personen weniger auf dem Schiff und sie hatten damals ihren Platz im Le Maxim. Jetzt waren Sie geschockt und meinten sie wären kein zweites Mal auf das Schiff, wenn es beim ersten Mal so gewesen wäre.
Dadurch dass die Tische so eng zusammenstehen, hatten die Kellner ihre Mühe durchzukommen, bzw. konnten es gar nicht. So wurde dann auch nicht von rechts serviert, sondern wie es eben ging, von links, über zwei Personen oder quer über den Tisch. Dass sich unsere beiden Kellner nicht vorstellten, fand ich zwar nicht so toll, aber bei dem Chaos am ersten Abend verständlich. Allerdings sind die Namensschilder bei MSC auch so klein, dass man die Namen sehr schlecht lesen kann. Auf dem Tisch stand bis zur Mitte der Kreuzfahrt auch nicht der Name des Kellners, sondern der des Table Superviser. Allerdings ist mir die Funktion dieser Personen bis heute nicht ganz klar. Unsere Superviserin Valentina stellte sich zwar am ersten Abend vor und meinte wir sollten uns bei Fragen etc. jederzeit an sie wenden. Ansonsten stand sie aber fast immer herum, unterhielt sich mit den Maitre’s und dem Maitre d’Hotel Tonino. Ab und zu öffnete sie mal eine Flasche Wein aber ansonsten kontrollierte sie nur, was die normalen Kellner tun. Dafür gibt es ja aber auch schon die normalen Maitre’s.
Beim Frühstück und Mittagessen hat man im SB-Restaurant immer gemerkt, dass das Schiff voll ist. Wenn man sich nicht gleich am Anfang oder erst gegen Ende der Öffnungszeiten einfand, war es äußerst schwierig einen Platz zu finden. So haben wir meistens im L’Oleandro gegessen. Der Service war dort immer gut. Die Kellner hatten früh und mittags den Platz richtig zu servieren und waren aufgrund der geringeren Gästezahl als abends, immer sehr aufmerksam. Nicht zu empfehlen ist das Le Maxim zum Frühstück. Aus irgendeinem Grund bekommen die Kellner es einfach nicht in den Griff. Wir waren nur einmal dort. Auch andere Gäste die dort Ihren festen Tisch zum Abendessen hatten, gingen zum Frühstück ins L’Oleandro.
Zu den Speisen brauche ich nichts zu erwähnen, die Menüs waren die gleichen wie bei der Kreuzfahrt von HeinBloed. Bei der
Präsentation war es manchmal etwas besser, meistens aber genauso. Die Portionen sind einfach viel zu groß. Zur Qualität der Speisen meine ich, dass diese besser ist als bei Costa, die über die Jahre nachgelassen haben. MSC hat den Standard, den wir von der Kreuzfahrt auf der Opera 2005 kennen, beibehalten. Bei Costa waren wir letztes Jahr auf der Mediterranea ziemlich enttäuscht.
Die einzelnen Anlaufhäfen führe ich nicht im Detail auf, es war ja die gleiche Tour wie sie auch HeinBloed bereits ausführlich beschrieben hat.
Das Wetter war durchwachsen, von strahlendem Sonnenschein bis Sturm war alles geboten. Bei den Pyramiden wurden die Ausflügler bei Regen und Sturm mit dem Sand richtig paniert. Durch den Sturm konnten wir in Alexandria in der Nacht nicht auslaufen und mussten bis zum Morgen im Hafen bleiben. Da aber 2 Seetage bis Tripolis geplant waren, wurde die Verspätung wieder aufgeholt. Ansonsten sind wir immer genau im Zeitplan geblieben.
Vielleicht ein Vergleich zwischen Costa und MSC. Wo Costa immer noch einen großen Vorsprung hat ist der Punkt Personal. Das Personal bei Costa ist wesentlich herzlicher und versucht mehr Kontakt zu den Gästen zu bekommen. Bei MSC ist die Bandbreite beim Personal wesentlich größer. Unser Zimmersteward zum Beispiel war freundlich, mehr aber nicht. Er hat immer darauf geachtet, seinen Job mit möglichst wenig Aufwand zu verrichten. Eis war während der ganzen Fahrt nicht im Eiskübel. Die Sauberkeit im Zimmer war ähnlich wie schon auf der Opera mäßig. Unter dem Bett war schon länger nicht mehr gesaugt worden. Der Badezimmerboden wurde in den Ecken wohl noch nie geputzt und Halterungen für die Glasablagen hatten auch noch keinen feuchten Lappen gesehen. Auf den Glasablagen baute sich während der Reise eine gleichmäßige Staubschicht auf. Während wir in Rom waren, wurde das Zimmer wohl schon für die nachfolgenden Gäste vorbereitet. Als wir Abends zurückkamen waren der Obstkorb, die Ausflügsbroschüre, die Zahnputzgläser

verschwunden, und die MiniBar abgesperrt. Im Bad wurden die Glasablagen erstmals gewischt. Unsere Sachen auf die oberste Ablage geschlichtet, damit die zweite mit den MSC Utensilien wieder ordnungsgemäß hergerichtet werden konnte. Man hatte den Eindruck, dass man nur noch stört und am besten auf dem Gang schlafen sollte. Bei anderen Gästen war dies nicht so extrem, aber es zeigt, dass die Hausdame wohl nicht auf gleichmäßigen Standard achtet. Douglas Ward hätte man so einen Service sicherlich nicht geboten.
Als wir von Rom zurückkamen fanden wir auf dem Bett ein Schreiben des Aloha-Spas, wo meine Frau 8 Tage zuvor war. Für den nächsten Besuch an einem Hafentag würde sie 50 % Rabatt bekommen. Ganz nett, nur etwas nutzlos, wenn man am nächsten Tag ausschifft.
Im Restaurant hat sich der Busboy am letzten Abend nicht einmal verabschiedet, so haben wir uns das zusätzliche Trinkgeld für ihn gespart. Auch die Table Superviserin hielt es nicht für notwendig, sich zu verabschieden. Eine Flasche Wein, die wir am Vorabend nur zur Hälfte getrunken hatten, war nicht mehr auffindbar. Dies sind nur Kleinigkeiten, aber für eine Gesellschaft, die den Anspruch erhebt, die Beste zu sein, nicht akzeptabel. Gerade solche Kleinigkeiten im Service machen den Unterschied, ob man sich willkommen fühlt.
Sehr unflexibel zeigte man sich bei den Essenzeiten. Egal ob die Ausflüge länger dauerten oder nicht, die Essenzeiten blieben gleich. In Alexandria waren wir bei der zweiten Essenszeit fast fertig, als die Ausflügler von Kairo zurückkamen. Da viele keine Lust hatten, ins SB-Restauant zu gehen, sind sie einfach noch in den Speisesaal gekommen. Man konnte den Kellnern die Begeisterung ansehen, dass sie um 21.30 noch einmal mit dem Servieren anfangen konnten und dann im Prinzip 3 Essenzeiten durchführen konnten. Auch in Rom war die erste Essenszeit wie üblich auf 18.00 Uhr festgelegt. Die Ausflügler kamen aber erst gegen 18.30 zurück und mussten dann, weil ja fast alle Busse gleichzeitig ankamen, noch bis zu 45 Minuten warten, bis sie auf dem Schiff waren. Da aber an diesem Abend das SB-Restaurant nicht geöffnet war, mussten alle die die erste Essenszeit hatten, noch in den Speisesaal, was natürlich dafür sorgte, dass die zweite Sitzung verspätet begann. Etwas mehr Flexibilität bei der Planung würde für weniger verärgerte Gäste sorgen. Da ist der Servicegedanke bei MSC noch weit vom Ideal entfernt.
Wenn wir das Tagesprogramm oder andere Schriftstücke in die Kabine bekamen, wunderte ich mich doch, warum nicht der deutsche Host oder anderes deutsches Personal dies nicht vorher durchlesen. Die deutschen Informationen schienen manchmal aus dem Übersetzungscomputer zu kommen. Ein paar Stilblüten: „Für das Mitternachts Gala-Buffet haben wir Cocktails erschöpft, die der Schönheit und der Vielfalt dieses Buffet passen. Heute Nacht bieten wir Ihnen …(Aufzählung der Cocktails) zu einem Sonderbaren Preis: € 5.10 an.“
Im Faltblatt über MSC, das auf jeder Kreuzfahrt verteilt wird, findet sich: „ … denkt man, dass unsere Gesellschaf echt groß und voller Energie ist. MSC ist noch eine private Agentur, eine einzelne Familie mit klaren Gedanken, das heißt die Beste zu sein, und hier auf diesem Schiff fühlen wir uns alle Teil dieser Familie.“ „Seit Ende der 80 Jahre hat die Gemeinschaft den richtigen Schritt in das Schiffsgeschäft getan und ist so eine Schiffsflotte im Umlauf geworden.“ Dann über die Musica: „Was sie bewegt! Sie braucht viel Potenz. (es konnte uns allerdings keiner Auskunft geben, wie viel ****** auf der Tour gebraucht wurde) …. Dann hat sie auch 2 Stabilisatoren, welche bei unruhiger See gekippt werden, auch wenn wir eigentlich immer ruhige See haben. Über die Rhapsody: „ Sie wurde von der Prinzessin Grace von München eingeweiht.“ Bayern wäre vielleicht gern ein Königreich. Aber das wir jetzt schon eine Prinzessin haben, war mir neu. Liest bei MSC München eigentlich niemand den Unsinn, der dort verbreitet wird? Ein Unternehmen das den deutschen Markt so im Visier hat, sollte sich solche Blößen nicht geben. Aber da ja nicht mal der Kapitän in der Lage war, beim Cocktail einen Satz in Deutsch zu sagen, sind solche Dinge wohl nicht wichtig. Bislang hatte auf jeder unserer Kreuzfahrten (auch MSC) der Kapitän einen Satz in jeder Sprache gelernt. Mattia Manzi auf der Musica sprach nur italienisch und einen schwer verständlichen Satz in Englisch.
Fazit: Die Musica ist ein geschmackvoll gestaltetes Schiff, im Gegensatz zu den quietschbunten Costa-Schiffen. Was wie Marmor aussieht, ist meistens auch echter Marmor und nicht Plastik. Allerdings zeigen sich bereits erste Abnutzungserscheinungen. Auf unserem Balkon hat der Rost bereits seine Arbeit begonnen, im Zimmer lösen sich erste Leisten und im L’ Oleandro hat fast jeder Stuhl schon Flecken.
MSC hat sich seit unserer letzten Fahrt auf der Opera gesteigert, vor allem im Showbereich und bei der Bedienung in den Bars, die immer aufmerksam und nett waren.
Bei voller Belegung ist das Schiff nicht zu empfehlen. Bei etwa gleicher Grundfläche fasst die Costa Mediterranea über 400 Passagiere weniger und das merkt man deutlich. Wir hatten erstmals auf einer Kreuzfahrt den Eindruck, dass das Schiff zu voll ist. Ein Nachteil der Musica gegenüber der Concordia ist, dass sie über keinen Magrodome verfügt. So hat keiner die Pools benutzt. In Piräus haben wir neidisch zur Concordia geblickt, wo beide Magrodomes geschlossen waren und die Pools deshalb auch benutzt werden konnten. Hoffentlich plant MSC dies bei der Serenate und der Fantasia.
Die Enoteca Wine Bar und das Sushi Restaurant wurden auf unserer Fahrt fast nicht benutzt. Als wir im Sushi Restaurant Abends gegessen haben (was sehr, sehr lecker war), wurden wir, wie Außerirdische von den vorbeigehenden betrachtet.
Insgesamt hat uns die Kreuzfahrt gut gefallen. MSC ist über die Jahre immer besser geworden, mit ein wenig Aufwand könnten sie an Costa vorbeiziehen. Es fehlt nur etwas Feinschliff.
Für unseren nächsten Urlaub überlegen wir uns allerdings, ob wir nicht mal auf ein amerikanisches Schiff gehen, da sich sowohl bei Costa als auch bei MSC der Anteil des deutschsprachigen Publikums dermaßen vergrößert hat, dass das internationale Flair immer mehr verloren geht. Tiefpunkt diesbezüglich war der Frühschoppen mit Sauerkraut, Bratwurst und Bier.
Gruß Klaus