Go Back   Cruise Reviews Forums > Seereisenforum > Die Deutschen Kreuzfahrtveranstalter
Register Forgot Password?
New! Use your Facebook, Google, AIM & Yahoo accounts to securely log into this site, click logo to login  
Search

Closed Thread
 
LinkBack Thread Tools Display Modes
  #1 (permalink)  
Old 05-18-2007, 03:09 PM
Senior Member
 
Join Date: Sep 2006
Location: München
Posts: 103
Default
Es hat leider ein wenig gedauert aber nun ist er fertig - mein erster Reisebericht zu meiner 6. Kreuzfahrt bzw. Seereise. Für mich bislang das kleinste Schiff und die längste Reise. Der Bericht ist allerdings ein bisschen länger geworden als ich gedacht habe. Vielleicht berichtet Sokrates noch von den letzen sieben Tagen bis Bremerhaven und stellt vielleicht noch ein paar Bilder dazu - ich selbst bin zu doof um Bilder hochzuladen.

Reisebericht zur Amazonaskreuzfahrt mit der Alexander von Humboldt von Manaus bis
Santa Cruz/ Teneriffa vom 12.04. – 06.05.2007

Buchung:
Mitte Januar entdecke ich auf der Internetseite zwei neue Reiseabschnitte. 10 Tage Manaus – Iquitos – Manaus und 13 Tage Manaus – Santa Cruz Teneriffa. Beide Reiseabschnitte zu kombinieren wäre ideal für mich und ich erfrage die Konditionen direkt bei Phoenix. Rückflüge von Teneriffa werden nur nach Berlin, Düsseldorf und Frankfurt angeboten aber
es ist auch kein Problem diesen rausrechnen zu lassen. Die Gutschrift beträgt EUR 150,00 und ich buche direkt bei Condor einen Rückflug – leider nicht so günstig wie die Gutschrift und auch nur mit 20kg Freigepäck aber direkt nach München. Da es sich um Glückskabinen handelt kann es sein das ich nach dem ersten Abschnitt umziehen muss aber auch das würde ich für diese Route in Kauf nehmen. Die Buchung einer Innenkabine tätige ich über mein Reisebüro. Mit Erhalt der dritten Bestätigung ist dann auch der Preis für das Rail&Fly Ticket korrekt. Anfang März erhalte ich das Ausflugsprogramm, die Fluginfos und die Möglichkeit für EUR 790,00 in der Comfort Class zu fliegen. Zwei Wochen vor Reiseantritt wird dann noch die Reservierung einer Dreierreihe zum Aufpreis von EUR 200,00 für die Einzelperson angeboten. Ich nehme keines der Angebote wahr. Den Reiseunterlagen liegt wieder ein kleiner aber sehr gut aufgemachter und informativer Reiseführer bei.

Die Reise:
Der Bequemlichkeit halber und um auf der sicheren Seite zu sein reise ich bereits am 11.04. nachmittags nach Frankfurt und übernachte im Hotel Hamburger Hof am Bahnhof. Am nächsten morgen geht es zeitig zum Flughafen und die Check-In Schalter der Condor sind schnell gefunden. Meine 3,5kg Übergepäck werden ohne Kommentar akzeptiert. Im Vorfeldbus komme ich mit ein paar Mitreisenden ins Gespräch und lerne so zufällig Christine und Norbert (Sokrates) aus dem Kreuzfahrtentreff kennen. Spätestens auf dem Schiff wollten wir uns ja eh treffen. Eine eigens gecharterte Boeing 767 der Condor bringt uns in 11,5 Stunden direkt nach Manaus. Die Crew ist bemerkenswert und außerordentlich freundlich und das gesamte Getränkesortiment kostenlos. Nach 9,5 Stunden erreichen wir den Südamerikanischen Kontinent und der Flusslauf ist deutlich und eindrucksvoll zu erkennen sofern die Wolken den Blick freigeben. Um 16.00 Uhr landen wir pünktlich. Dennie vom Phönixteam begrüßt uns schon nach der Passkontrolle. Die Einreise und auch der Check-In gestalten sich recht unkompliziert und schnell. Allerdings erhalte ich den Bordausweis nicht für die im Voucher angegebene Kabine. Mit dem Bus geht’s in 40 Minuten zum Schiff. Neben uns liegt die Bremen. Von Kreuzfahrtdirektor Joachim Liemberger werde ich so herzlich und persönlich begrüßt das ich den Eindruck habe er würde mich von irgendwoher kennen. Eine Stewardess bringt mich zu meiner Kabine – eine wahre Glückskabine – außen auf dem Oriondeck backbord ganz vorne. Sie ist mit zwei Einzelbetten, einem dreitürigen Schrank (20 Holzbügel, Safe und 3 Schubfächer, Fernseh- und Schreibtisch mit weiteren Schubfächern ausgestattet. Die Nasszelle entspricht der üblichen Ausstattung – der Duschvorhang schmiegt sich also wie eine zweite Haut an meinen Körper und die Toilettenbürste sollte vielleicht mal erneuert werden. Ich nutze die Zeit um das Schiff zu erkunden. Die gesamte Einrichtung ist in gutem Zustand und mit einer gewissen Patina versehen die aber zum altenglischen Stil hervorragend passt. Um 19.00 Uhr legen wir mit knapp 340 Gästen an Bord ab – viele ältere Herrschaften und relativ viele schweizer Staatsbürger. Uta Rickert – ich kenne sie noch von der AIDABlu wo sie Restaurantchefin im Rossini war, ruft mich an und bietet mir an mit ihr und ihren Freunden Abend zu essen. Ich nehme die Einladung gerne an und fühle mich so ganz und gar nicht wie ein Alleinreisender. Anschließend geht’s noch in den Musiksalon zur Veranstaltung „Auf ein Wort“ – wichtige Informationen zum Schiff und zur Reise. Hier wird auch gleich bekannt gegeben, dass die Route nicht wie im Katalog angegeben gefahren wird. Man will die Ratschläge der Lotsen und des Expeditionsleiters nutzen um uns eine möglichst abwechslungsreiche und interessante Reise zu bieten.
Am nächsten morgen findet die obligatorische Seenotrettungsübung und anschließend die Einweisung zu den Zodiactouren statt. Anschließend steht der Bordarzt noch für Fragen zur Malariaprophylaxe zur Verfügung. Ich war zur Impfberatung bei unserem Betriebsarzt und auch im Tropeninstitut . Eine Prophylaxe im herkömmlichen Sinne sei nicht erforderlich. Mir wird lediglich empfohlen mich mit Nobite grundsätzlich gegen Insektenstiche zu schützen. Diese Aussage deckt sich auch mit der des Schiffsarztes.
Das Mittagessen nehme ich mit Christine und Norbert im Hauptrestaurant ein. Nach einiger Zeit nimmt eine ältere, elegante Dame mit einem eisigen „Guten Tag“ an unserem Tisch Platz. Wir sind wohl bei der freien Platzwahl in ihr „Revier“ eingedrungen. Wir ignorieren sie zunächst, kommen aber später mit ihr ins Gespräch. Ein Hamburger Ehepaar gesellt sich noch zu uns und unsere Tischrunde ist perfekt. Am Abend findet der Kapitänsempfang mit Galadinner statt. An den Galaabenden ist nur das Hauptrestaurant geöffnet und es wird dann in zwei Sitzungen serviert. Die Einteilung erfolgt nach dem farbigen Punkt auf der Bordkarte oder getrennt nach abreisenden und weiterreisenden Gästen. Auf der gesamten Reise hatte ich 5 Galaabende, 3 davon im ersten Reiseabschnitt von 10 Tagen und 2 auf dem zweiten 13tägigen Reiseabschnitt. Wirklich elegant gekleidet waren an diesen Abenden wenige der Mitreisenden. Das schlimmste was ich auf den Bildern entdeckt habe war eine Beige-Braune Kombination zwar mit Krawatte aber beige Socken in Trekkingsandalen!!!!
Am nächsten Tag erreichen wir um 14.00 Uhr Lago Uara, ein kleiner Ort mit ca. 20 Hütten,
einem Fußballplatz, ein Gemeindehaus. Es geht alles sehr beschaulich zu und überall kommt uns ein Lächeln entgegen. Einige Kinder rudern uns mit ihren Kanus durch eine Lagune. In einer anderen Ecke wird Asaisaft hergestellt. Dabei wird die beerenartige Frucht einer Palme zerstampft, aufgekocht und passiert. Tony Santa Cruz von Stern und Jean Paul Doessegger, unser Expetitionsleiter sind ebenfalls im Dorf unterwegs, erklären und erzählen vieles und stehen auch für Fragen zur Verfügung. Ein Dorfbewohner stählt seine Muskeln mit einer aus dicken Baumscheiben selbst gefertigten Langhantel.
Tags darauf erreichen wir am späten Nachmittag Sao Antonio do Ica – ein größerer Ort mit knapp 4.000 Einwohnern. Hier gibt es neben den Hütten auch viele gemauerte Häuser, eine Kirche mit Friedhof, verschiedene Läden, einen kleinen Rummelplatz mit ein paar Fahrgeschäften. Neben ein paar Autos sieht man hauptsächlich Motorräder auf den Straßen. Das Benzin dazu wird in Plastikflaschen am Straßenrand verkauft. Einige nutzen die Gelegenheit und lassen sich mit dem Motorrad die Stadt und die Umgebung zeigen. Man wird wieder mit einem Lächeln begrüßt und zum Teil wird einem einfach die Hand entgegengestreckt oder der Daumen wird in die Höhe gehalten. Man freut sich scheinbar über unseren Besuch. Beim Bummel durch die Stadt werde ich von einer Familie in ihren Garten gebeten. Sofort bekomme ich ein Bier und ein Stück Fleisch vom Grill mit Maniok. Eine Dame spricht ein paar Worte Englisch und ansonsten verständigt man sich mit Händen und Füssen. Als ein paar andere Leute vom Schiff vorbeikommen werde auch diese noch in den Garten gebeten. Wir wollen uns mit ein paar Dollarscheinen bedanken als wir uns verabschieden aber das wird entschieden abgelehnt. Überwältigt von dieser Gastfreundschaft gehe ich zum Bootsanleger zurück wo ein paar Männer noch ihre Brakedancekünste zum Besten geben. Am liebsten würde ich noch den Abend in diesem Dorf verbringen und kehre schweren Herzens zum Schiff zurück.
Da wir in Iquitos kein Frischwasser bunkern können werden wir gebeten Wasser zu sparen. Zum Frühstück und zum Mittagessen gibt es nun nur noch Papierservietten. Auch der Pool (sonst mit Meerwasser gefüllt) bleibt wegen des sedimenthaltigen Wassers des Rio Solimoes, wie der Amazonas auf diesem Abschnitt heißt, leer.
Als nächstes laufen wir Leticia in Kolumbien an. Direkt an der brasilianischen Grenze gelegen gilt dieser Ort als Hauptumschlagplatz für Drogen. Die Freigabe des Schiffes dauert eine gewisse Zeit. Im Markt haben nachmittags fast schon alle Stände geschlossen aber auf der Straße hoch zum Ort herrscht noch quirliges Treiben. Ich laufe durch den Ort mit seinen zahlreichen Geschäften und trinke noch ein Bier in der Bar „Tio Tom“ – eine Empfehlung aus dem Reisekatalog der „Bremen“. Auf der Terrasse genieße ich bei südamerikanischer Musik das Treiben auf den Straßen und beobachte den immer dunkler werdenden Himmel. Während eines tropischen Regenschauers geht’s zurück zum Schiff.
Am nächsten Nachmittag erreichen wir den kleinen Ort Pevas in Peru der in der ursprünglichen Route nicht vorgesehen war. Beherrscht wird dieser Ort von dem Häuserkomplex des bekannten Malers Francisco Grippa. Die meist expressionistischen Bilder dürfen wir in seinem Atelier bewundern - knarrende Holzböden, klassische Musik und die von Ventilatoren aufgewirbelte Luft verleihen dem Ort einen ganz besonderen Reiz. Obwohl ich nicht schwindelfrei bin wage ich mich doch auf den Aussichtsturm der zu Grippas Häuserkomplex gehört. Mit einer tollen Aussicht auf den Fluß und auf die auf Stelzen errichteten Hütten werde ich dafür belohnt. Aus einer dieser Hütten dringt in voller Lautstärke Olivia Newton John’s „Hopelessly devoted to you“ – bei diesem Lied werde ich wohl künftig immer an diesen Ort denken bzw. umgekehrt. Beim weiteren Bummel durch den Ort fotografiere ich einige Kinder und zeige ihnen das Bild auf dem Display der Kamera und sie sind wie überall begeistert und stellen sich gleich fürs nächste Bild auf und können nicht genug davon bekommen und innerhalb kurzer Zeit hab ich ca. 17 Kinder um mich versammelt.
Während des Abendessens macht das Schiff plötzlich eine eigenartige rechtslinks Bewegung verbunden mit einem abrupten Abbremsen und wir stehen scheinbar still. Die wildesten Spekulationen gehen los. Dann ist wieder starkes Motorengeräusch zu hören und starkes Vibrieren zu vernehmen. Das ganze wiederholt sich noch ein weiteres Mal und kurz darauf werden wir über Bordlautsprecher informiert, dass wir auf eine Sandbank aufgelaufen sind uns aber bereits wieder aus eigener Kraft befreien konnten und das Schiff wohl keinen Schaden genommen hat. Wir sind also noch mal mit dem Schrecken davon gekommen.
Am 18. April erreichen wir den Wendepunkt unserer Reise. Iquitos in Peru mit ca. 400.000 Einwohnern liegt auf einer Höhe von etwa 100 Metern über dem Meeresspiegel und 2.062 Seemeilen bzw. 3819 Kilometer von Belem an der Mündung in den Atlantik entfernt. Wir gehen direkt an die Pier und werden von einer Folkloretruppe mit Tänzen begrüßt. Ich habe die ganztägige Dschungeltour für EUR 112,00 gebucht. Mit Schnellbooten geht es in einer Stunde zu den Jaguarindianern. Unterwegs sehen wir einige rosarote Flußdelphine.
Die Indianer empfangen uns in ihrer ursprünglichen Bekleidung und demonstrieren uns den Umgang mit dem Blasrohr und anschließend führen sie noch ein paar Tänze auf. Auf dem kurzen Weg zum Boot zurück, kommen wir an ihrem jetzigen Wohnhaus vorbei und unser Guide erzählt uns das für mittags Affe auf dem Grill liegt. Für uns geht es aber weiter zu einer Dschungellodge. Nach einer kurzen Erfrischung geht es zu einer 1,5 stündigen Wanderung durch den Regenwald und zu den mächtigen Ceiba Bäumen. Giftige Ameisen bekommen wir noch zu sehen und eine exotische Frucht dürfen wir noch probieren. Anschließend springen wir noch in den Pool. Zum Umziehen werden uns drei Zimmer zur Verfügung gestellt. Nachdem köstlichen Mittagessen mit vielen lokalen Spezialitäten geht es zurück zum Schiff. Wir haben noch 1,25 Stunden bis wir wieder an Bord sein müssen. Zu viert machen wir uns noch mit 2 Dreiradtaxen für je 7,00 USD auf in die Stadt. Im Stadtzentrum besuchen wir kurz das von Gustave Eifel konstruierte Eisenhaus, das Palace Hotel und den Malecon. Weiter geht’s zum Teil durch enge Markstraßen nach Belen, dem peruanischen Venedig. In der slumähnlichen Siedlung schwimmen die Hütten auf floßartigen Fundamenten. Wir dürfen auf die Dachterrasse eines Bekannten unseres Fahrers und haben von dort einen tollen Blick und gleichzeitig sehen wir wie die Leute leben. Unser Fahrer erzählt uns noch dass die Prostituierten auf halbüberdachten Kanus bei einer Fahrt durch die Kanäle ihrem Geschäft nachgehen. Wir erfahren und erleben viel in dieser kurzen Zeit. Vom Schiff wurde noch eine Stadtrundfahrt für EUR 25,00 angeboten die aber wohl etwas chaotisch war. Außerdem konnte man noch den Besuch des Pilpintuwasi-Zoos, auch Gudrun-Sperrer-Schmetterlings-farm genannt, für ebenfalls EUR 25,00 besichtigen. Von diesem Ausflug waren die Gäste wiederum sehr angetan.
Am frühen morgen des 19. Aprils sollen wir in Amacayuca / Kolumbien ankommen. Während ich noch beim frühstücken sitze wendet das Schiff und fährt wieder ein Stück in die Gegenrichtung und wendet abermals. Über Bordlautsprecher werden wir informiert, dass nun die echte Expedition beginnt da die Koordinaten die man für dieses Dorf bekommen hat wohl nicht stimmen und man wird Ausschau nach diesem schlecht einsehbaren Dorf halten und man hofft es zu finden. Nach ca. einer halben Stunde ist es dann soweit. Mit den Zodiacs geht es wieder an Land und es ist ziemlich schlammig und rutschig da es fast die ganze Nacht geregnet hat. Eine Familie ist traditionell für uns gekleidet und präsentiert uns Schlangen, Faultiere, Affen und Papageien, wieder andere bieten ihre Produkte wie Schmuck und Taschen zum Verkauf an. Auf einem Baum sitzt ein Leguan und die Kinder strömen alle mit Tassen und Schüsseln zur Schule wo sie verköstigt werden. Auch hier haben wir wieder unvergessliche Begegnungen mit der Bevölkerung. Vor dem betreten der Zodiacs werden uns noch die Schuhe abgewaschen. Gegen Mittag sind wir nochmals in Leticia da wir nun wieder nach Brasilien einreisen und die Formalitäten wieder einige Zeit in Anspruch nehmen dürfen wir nochmals an Land. Im Markt sind fast noch alle Stände offen und unter anderem sehen wir einen Kaimankopf – der Rest ging wohl schon über den Ladentisch. Anschließend schauen wir noch beim transsexuellen Friseur meiner „Schiffsmutti“ Ingrid vorbei, besuchen die Papageien im Anacondahotel und zum Abschluß gibt’s noch ein Bier bei Tio Tom.
Am nächsten Tag steht eine Zodiactour mit anschließendem Landgang in Rio Jutai auf dem Programm. Zunächst geht es eine knappe Stunde dicht am Ufer in einen Seitenarm des Flusses. Wir kommen wieder an einigen Häusern vorbei und sehen ein Boot zum Goldwaschen. Rio Jutai mit seinen bunten Häusern wirkt auf mich wie ein karibisches Dorf. Wir müssen ein wenig warten bis uns die Zodiacs zurückbringen und beobachten einige Kinder beim Herumtollen im Wasser. Einem Gast ist es zu heiß und er springt auch mit rein.
Der nächste Tag ist komplett verregnet aber die Zodiactouren bei Rio Badajos finden trotzdem statt – kein Vergnügen für die Zodiacfahrer die ja mehrmals raus müssen. Ich fahre mit denn es soll hier die riesengroß Seerose „Victoria Amazonica“ geben. Wir sehen allerdings keine einzige und auch die Einheimischen können uns nicht weiterhelfen.
Am nächsten Tag sind wir wieder in Manaus. Vormittags geht’s auf Stadtrundfahrt (EUR 29,00). Ein Bummel durch die an die Pariser Les Halles erinnernden Markthallen, vorbei am Zollhaus und am Palacio Rio Negro geht’s zunächst zum Zoo mit zahlreichen Amazonastieren. Anschließend besuchen wir das bekannte Opernhaus – heute nur für uns geöffnet denn am Abend ist Premiere für den „Fliegenden Holländer“. Nachmittags geht’s auf einem typischen Amazonasboot für ebenfalls EUR 29,00 zum Zusammenfluss des ockerfarbenen, lehmigen Rio Solimoes und des tiefschwarzen Rio Negro. Ca. 6km fließen die beiden Flüsse nebeneinander her bis sie sich allmählich vermischen. Weiter geht es nach Lago January wo wir in kleine Kanus umsteigen. Hier sehen wir dann die „Victoria Amazonica“ bevor es durch den überschwemmten Urwald geht. Auf der Rückfahrt genieße ich den Sonnenuntergang und zurück in Manaus liegt neben uns die „Iberostar Grand Amazon“ – ein 5* Schiff das in der näheren Umgebung von Manaus kreuzt. Kurz nach uns treffen dann auch die neuen Gäste ein. Neben den beiden Ausflügen gab es noch einen Panoramaflug von ca. 30 Minuten für EUR 136,00 und eine Ganztagestour in den Amazonasecopark. Beide Ausflüge sollen ebenfalls sehr gut und beeindruckend gewesen sein.
Mit nur noch ca. 300 Passagiere an Bord treffen wir am nächsten Tag in Parintins ein und machen direkt an der Pier fest. Auch hier werden wir wieder von Tänzerinnen und einer Band begrüßt. Die Stadt ist vor allem durch das jährlich Ende Juni stattfindende Volksfest rundum den populären Tanzzyklus „Bumba-meu-boi“ („Steh auf, mein Ochse!“) bekannt. Dabei konkurrieren die Blauen „Boi Caprichoso“ mit den Roten „Boi Garantido“ um die beste Aufführung. Die ganze Stadt ist in einen roten und blauen Sektor unterteilt und die Telefonzellen, Straßenschilder usw. sind jeweils alle in rot und blau. Selbst Coca-Cola liefert zu diesem Fest die Dosen in auch in blau. Bei einem Ausflug nachmittags für EUR 64,00 sehe ich die tolle und farbenprächtige Show der Roten. Leichtbekleidete Brasilianerinnen servieren dazu unentwegt Caipirinha und Mineralwasser. Mit meiner „Schiffsmutti“ Ingrid mache ich aber vorher eine kleine Stadtrundfahrt in einem Dreirad-Fahrrad für 6,00 USD. Es geht an der größten Kirche Nordbrasiliens vorbei zur Boi-Bumba-Arena der blauen Partei. Für EUR 22,00 gibt es die doppelt so lange Fahrt auch auf dem Schiff zu buchen.
Am nächsten Tag werden wir für EUR 39,00 mit typischen Amazonasdampfern am Schiff abgeholt und nach ca. 1 Stunde erreichen wir Pacoval das von Mameluken (Mischlinge von Schwarzen und Indianern) bewohnt wird. Hier haben wir die Gelegenheit bei der Maniokmehlherstellung zuzusehen und sehen noch wie Kautschuk gewonnen wird. Die Kinder und Jugendlichen des Dorfes zeigen uns noch einige Tänze. Am nächsten Tag haben wir morgen noch einmal die Gelegenheit eine Zodiactour zu unternehmen bevor wir die Breveskanäle passieren. An der schmalsten Stelle nur 70 Meter breit kommen wir an zahlreichen Siedlungen vorbei und können alles aus nächster Nähe beobachten. Besonders beeindruckend ist es wenn die Alexander von Humboldt wieder eine 90Gradkurve zu absolvieren hat. Außerdem kommen von beiden Seiten die Einheimischen in ihren Kanus aufs Schiff zu um sich in unseren Wellen schaukeln zu lassen. Am 26. April ist dann die letzte Station am Amazonas erreicht. In Belem gehe ich mit Ingrid in die Stadt. Erst zum quirligen Ver-O-Peso-Markt mit seinem reichhaltigen Gemüse- und Fischangebot und den Kräuterständen mit Naturheilmitteln. Auf dem Weg zum Fort gibt’s noch Eis von exotischen Früchten wie Asai. Vorbei am alten Straßenbahndepot geht’s durch die Stadt zum Teatro da Paz. Wir besichtigen es um 14.00 Uhr und haben eine Privatführung. Auf dem Weg zurück zum Hafen stürzt Ingrid beim Überqueren einer Straße und zieht sich eine 6-7cm große Platzwunde am linken Schienbein zu. Zwei Männer helfen Ihr sofort hoch und rufen auch gleich ein Taxi herbei als sie die Wunde entdeckt. Der Taxifahrer reicht Papierhandtücher und Watte und wir lotsen ihn mit Händen und Füssen zum Hafen. Er gibt Ingrid auch noch ein lokales Mittel zur Wunddesinfektion. Die Wunde wird erst durch die Krankenschwester versorgt und anschließend vom Arzt mit ein paar Stichen genäht. Mit 3 weiteren Besuchen zum Nachschauen beläuft sich die Rechnung auf EUR 130,00. Beim Auslaufen sieht man dann die ganzen Hochhäuser dieser 1,4 Millionenstadt und das Ufer sehen wir auch noch ein paar Stunden. 4,5 Seetage liegen nun vor uns aber es werden fünf denn wir sind zu langsam und kommen gegen die Strömung nicht so schnell voran. Die Kapverdeninsel Fogo fällt also ins Wasser. Für einige Gäste nicht der erste Wegfall eines Hafens denn auf der Fahrt von Rio entfällt bereits Natal und Salvador da Bahia konnte nur am abend für wenige Stunden besucht werden. Die Zeit auf See wird jedoch nicht langweilig. Die Äquatortaufe bei der der Kapitän John Maulds als erster ins Wasser geht, eine Bordolympiade, Bingo, Sport, zahlreiche Vorträge, Gedächtnis- und Kommunikationstraining, Malkurse usw. stehen auf dem Programm. Bei einer Seestärke von 3 – 5 wird’s auch etwas unruhiger und ich habe das Gefühl meine Matratze atmet.
Am 2.Mai erreichen wir dann pünktlich um 6.00 Uhr morgens Porto Novo auf der Insel Santo Antao, der grünsten Insel der Kapverden. Hier im Süden zeigt sie sich jedoch auch nur von der kargen Seite. Beim Bummel durch die Stadt wird sofort deutlich das hier die meisten in großer Armut leben. Scharen von Kindern machen sind auf dem Weg zur Schule. Am Strand holen die Fischer mit bloßen Händen die Netze ein. In einer Seitenstraße scheint es einen Todesfall gegeben zu haben. Aus dem Haus hört man es jammern und vorm Haus warten zahlreiche Menschen und alle haben Tränen in den Augen. Ein Lächeln kommt einem hier selten aus den bedrückt wirkenden Gesichtern entgegen. Der Gegensatz zwischen Arm und Reich scheint auch sehr groß zu sein. Am Stadtrand sieht man villenähnliche Häuser, und Menschen mit Mobiltelefonen und die Musik kommt direkt aus dem Ipod. Ich mache mich noch auf dem Weg zum Stadtstrand schaffe es aber aufgrund der Zeit leider nicht mehr. Um 11.00 Uhr legen wir bereits in Richtung Mindelo auf der Insel Sao Vicente ab. Die kurze Überfahrt ist jedoch sehr stürmisch. Ich habe den einigen Ausflug zur Catfishbay für EUR 19,00 gebucht. Mit einfachen Bussen geht es mit unserem lokalen Führer Georg zunächst am Stadtstrand vorbei hoch zur Burg. Georg ist 55 und ist von Hamburg aus lange zur See gefahren. Wie viele Kapverdianer hat er sein Geld in der Ferne verdient und damit seine Familie ernährt.
Weiter geht es zur Catfishbay, einem 5km langen Strand der bei den einheimischen sehr beliebt ist. Der reichere Teil der Bevölkerung besitzt hier bereits Wochenendhäuser. Wir bleiben leider nur 20 Minuten s.d. es mir für ein Bad im Meer zu knapp ist. Zurück geht es durch ein Dorf in dem abends ein Fest stattfindet und alle sind bereits dabei ihre Verkaufsstände für Speis und Trank vorzubereiten. In der Stadt geht es dann noch zum Fisch- und Gemüsemarkt, zur Nachbildung des Torre de Belem und weiter zum afrikanischen Markt. Mindelo’s Stadtzentrum wirkt sehr gepflegt. Einige Reisende und auch der Kreuzfahrtdirektor waren schon einmal hier und erkennen die Stadt kaum wieder.
In Mindelo sind noch 4 Passagiere zugestiegen, darunter der Schauspieler Christian Brückner.
Sie drehen für den WDR den 45minütigen Film bzw. Beitrag „Schattenlinien“ der Anfang nächsten Jahres im Fernsehen ausgestrahlt werden soll. Ca. 15 Minuten davon spielen auf dem Schiff.
Noch zwei Seetage bis Teneriffa die leider aufgrund der Wolkendichte und des Windes recht kühl sind aber das Programm ist wieder recht umfangreich. Am 3. Mai hat die Küche nachmittags ihre Türen geöffnet und am 4. Mai gibt es noch eine Modenschau mit bekannten Models aus der Besatzung und aus dem Kreis der Mitreisenden. Natürlich darf ich dabei nicht fehlen. Wir bekommen alle viel Applaus und die Boutique ist nach dem Abendessen gut gefüllt. Als Belohnung gibt es für uns einen Einkaufsgutschein für EUR 20,00. Um 18.00Uhr ist dann für die ca. 45 Passagiere die in Teneriffa von Bord gehen der Abschiedscocktail. Einen Galaabenden gibt es für uns leider nicht was ich sehr schade finde.
Am nächsten morgen geht es an der verbauten und wenig einladenden Südküste Teneriffas vorbei nach Santa Cruz das wir gegen Mittag erreichen. Neben uns liegt bereits die Saga Rose. Nach dem Mittagessen gehe ich von Bord. Die Taxen am Schiff wollen EUR 20,00 für die Fahrt ins ca. Luftlinie 2km entfernte Hotel. Ich lehne sofort ab und gehe zu Fuß – zumindest bis zum Hafenausgang. Das Taxi dort nimmt nur EUR 10,00. Ich bummle gleich durch die Stadt und treffe noch das halbe Schiff. Mit Manfred von der Modenschau gehe ich mit zum Hafen um mir das Auslaufen anzusehen. Es fehlen noch 6 Gäste – 4 kommen leicht verspätet und die anderen beiden waren wohl schon an Bord. Die Gangway wird eingezogen und ich bin der einzige der an der Pier steht. Mit Tüchern und Sweatshirts wird mir gewunken und es will kein Ende nehmen. Für mich ein ergreifender Abschied aber ich kann noch schöne Bilder machen. Am nächsten Tag geht es mittags zum Flughafen. Ich habe nur 20 kg Freigepäck statt der 30 kg beim Hinflug und wechsle zweimal die Schlange nachdem ich sehe das bereits bei 4-5 kg kassiert wird und gerate an eine recht freundlich und kulante Dame die zum Gewicht des Koffers von exakt 29 kg nicht mal einen Kommentar abgibt. Um 23.40 Uhr landen wir mit 20 Minuten Verspätung in München. Mein Koffer kommt erst 45 Minuten nach der Landung am Band. Eine schwache Leistung die hier der Münchener Flughafen bietet. Das hab ich schon besser erlebt.
Und nun noch einige Wort abschließend zum Schiff:
Trotz der geringen Größe bietet die Alexander von Humboldt zwei Restaurants, zwei Bars, ein Kino, den Musiksalon für Sport, Vorträge und das Abendprogramm, eine Boutique und einen kleinen Beautybereich mit einer noch kleineren Sauna sowie einem kleinen Fitnessstudio auf dem Sonnendeck. Im Verandarestaurant ist grundsätzlich Buffet und die Kaffeestunde. Das Essen kann auch auf dem angrenzenden Pooldeck eingenommen werden. Die Tische dort sind allerdings nicht gedeckt. Im Hauptrestaurant wird mittags und abends serviert. Es stehen immer so 14-15 Gerichte auf der Karte. Das Essen selbst fand ich allerdings ein wenig enttäuschend. Einige Gerichte waren sehr gut – der Rest durchschnittlich. Mir fehlte einfach eine gewisse Raffinesse und nach dem ersten Reiseabschnitt gab es außerdem viele Wiederholungen. Außerdem hätte ich ein wenig mehr lokale Produkte wie Amazonasfisch erwartet. Den gab es zwar auch aber nur eine Sorte und nur zweimal. Vielleicht waren aber auch die Erwartungen nach dem hervorragendem Essen im letzten Jahr auf der Amadea zu hoch. Der Service war immer hervorragend und freundlich und kleine Sonderwünsche wurden gerne erfüllt. Gegessen habe ich fast ausschließlich im Hauptrestaurant, da ich nicht der große Fan von Buffets bin. Der LateNight-Snack (stets herzhaft und süß) wurde immer von zwei indischen Kellnern derart charmant serviert s.d. man nicht nein sagen konnte. Die Getränkepreise waren wie für Phönix üblich recht moderat. Die Cocktails waren von guter Qualität nur zur Happy-Hour (EUR 2,50) schon mal mit etwas weniger Alkoholgehalt. Die Betreuung durch das Phoenixteam war einfach toll - stets sehr freundlich und auch meist Zeit für ein paar persönliche Worte.
Zur Unterhaltung waren die unterschiedlichsten Künstler an Bord. Für jeden Geschmack war etwas geboten. Das Highlight war für mich die südamerikanische Gruppe „Los del Sur“. Nicht nur südamerikanisches haben die Tenöre auf die Bühne gebracht, auch Oper und Operette, Schlager der 30er und 40er Jahre und vieles mehr. Überrascht hatte auch Dennie vom Phoenixteam an einem Abend mit zwei Liedern – besser wie mancher Künstler an Bord. Neben den zahlreichen Vorträgen gab es noch viele informative Sendungen im Bordfernsehen bzw. im Kino. Für mich war es eine sehr gelungene Reise mit sehr netten und lustigen Begegnungen. Ich würde das Schiff, abhängig von der Route, jederzeit wieder buchen.
__________________
AIDA (1996) ArosaBlu (2003) AidaBlu (2004) ArosaLuna und Radiance of the Seas (2005) Amadea (2006) Alexander von Humboldt (2007) Amadea (2007)
  #2 (permalink)  
Old 05-19-2007, 05:33 AM
Member
 
Join Date: Jul 2006
Posts: 55
Default
Lieber Josef,

chapeau ! Ein herzliches Dankeschön, dass Du uns mittels dieses wunderbaren Reiseberichts an Deiner Kreuzfahrt quasi "teilnehmen " lässt.

Nochmals vielen Dank für Deine Mühe!!!

Herzliche Grüße von Annette
  #3 (permalink)  
Old 05-19-2007, 07:22 AM
Member
 
Join Date: May 2006
Location: Hanau
Posts: 42
Default
Hallo JOSMUC,

auch von mir,Danke für diesen tollen Reisebericht.
Wir waren 2000 mit der Maxim auf dem Amazonas und ich kann Deine Begeisterung nachempfinden.

Grüßle von Seeanemone Erika
  #4 (permalink)  
Old 05-19-2007, 01:03 PM
Senior Member
 
Join Date: Feb 2006
Location: Darmstadt
Posts: 274
Default
Hallo JOSMUC
Toller Bericht, der mich zu einer Reise in eine ganz andere Ecke der Welt mitgenommen hat.
Vielen Dank.
Gruß
luigi
__________________
Dalmacija (1982) ** Costa Victoria (1997) ** Costa Classica (1999, 2000, 2006) ** Splendour otS (2001) ** Costa Atlantica (2001, 2004, 2005) ** Costa Europa ( 2003) ** Norwegian Dream (2003) ** A'Rosa Blu (2004) ** AIDAblu (2005) ** Costa Fortuna (2005) ** A'Rosa Donna (2006) ** Costa Mediterranea (2007) ** A'Rosa Riva (2007) ** Costa Concordia (2008)
  #5 (permalink)  
Old 05-21-2007, 03:59 AM
Senior Member
 
Join Date: Nov 2005
Location: Niederkassel
Posts: 296
Default
Hallo,

kann mich Ludwigs Worten nur anschließen. Ein lesenswerter Bericht über eine aussergewöhnliche Reise.
__________________
Gruß aus dem Rheinland

Kajo
  #6 (permalink)  
Old 05-21-2007, 04:27 AM
Member
 
Join Date: May 2005
Posts: 61
Default
Auch von mir ein ganz großes Dankeschön für diesen informativen Bericht.
__________________
  #7 (permalink)  
Old 05-22-2007, 04:40 AM
Senior Member
 
Join Date: Mar 2004
Location: Würzburg
Posts: 155
Default
Hi Josef,

ein toller Bericht von einer genialen Reise. Bei mir wurden auch jede Menge Erinnerungen wach.

Vielen Dank!
Christian
__________________
Christian
2001 Amazonas/TA MS Deutschland
2002 Ostsee/Nordland A'Rosa Blu
2003 Algarve
2004 Bali
2005/2007 Nachwuchs
2008 mal wieder cruisen?
  #8 (permalink)  
Old 05-27-2007, 07:46 AM
sokrates's Avatar
Member
 
Join Date: Jan 2006
Posts: 49
Default
Hallo,

wie Josef ja schon angekündigt hat, hier etwas verspätet und nur als Ergänzung noch ein paar Eindrücke von uns zur gleichen Reise. Wir sind lediglich noch ein paar Tage von Teneriffa über Madeira, Guensey bis Bremerhaven an Bold geblieben, so dass wir auf 30 Tage Alexander von Humboldt kommen. Wir hatten bisher nur eine winzige Kreuzfahrt um Sansibar und Mombasa mit der Royal Star gemacht und unsere Vorbereitung bestand aus 14-monatigem Forum lesen. An Bord schienen wir ziemlich die Einzigen zu sein, die noch nicht jede beliebige Eckkneipe in jedem beliebigen Hafen der Erde kannten.

Das Schiff
Nach unserem Geschmack genau die richtige Größe, übersichtlich, geschmackvoll ausgestattet und gepflegt. An manchen Stellen manchmal auch starke Gebrauchsspuren an Polstern und Sofas, aber so, wie es in jedem gemütlichen Wohnzimmer bei Oma und Opa auch sein kann.

Phoenix hat vermutlich falsche Daten über die Leistungsfähigkeit des Schiffes bei der Reiseplanung zugrunde gelegt und der Kapitän und der Reisedirektor hatten das auszubaden. Auch unter optimalen Bedingungen waren nicht alle Zielorte in der geplanten Zeit zu erreichen. So fiel zusätzlich auch die Rundreise in Guernsey flach und der Landgang wurde auf 1 Stunde St. Peter Port beschränkt. Vom Schiff wurde dies mit einer Wetterwarnung begründet und nachträglich dokumentiert, was einen ziemlichen Aufstand zur Folge hatte, da bereits beim Ankern schon ersichtlich war, dass der Regen in Sonnenschein umschlagen würde. Das Schiff wird mit 15 Knoten angeführt, schafft aber meist nur 13.

Die Offiziere, die Besatzung und das Personal
Vom Kapitän bis zum Hilfskellner ohne Ausnahme sehr freundlich, hilfsbereit, mitdenkend, eigeninitiativ, herzlich. Wir fanden es perfekt!

Das Publikum
Kappenrentner, Kappenrentner, Kappenrentner
Halt nicht ganz! Josef und ein paar Dutzend andere bildeten da schon eine große Ausnahme. Wir waren etwas enttäuscht und hatten auf Grund des Expeditionscharakters ein etwas dynamischeres und interessierteres Publikum erwartet. Da wir aber in eine lustige unkonventionelle Gruppe gerieten (Danke Josef, danke Ingrid), bekamen wir das alles nicht so mit.

Morgens um 6.45 standen dann sie dann in Scharen drängelnd auf dem Deck, um ihre Liegen am immer gleichen Platz zu reservieren. Dem Decksteward wurde dann beigebracht, wie man das Ausrollen des Sonnenschutzes beschleunigt vornehmen kann. Oft blieben die Liegen dann wegen der Hitze unbenutzt reserviert, ohne dass wie versprochen vom Personal abgeräumt wurde. Uns erinnerte das alles an Nistplätze von Möwen, die ständig ihren Platz verteidigen und nach allen Seiten hacken.

Das Phoenix Team
Es hat uns fasziniert, wie das ganze Team äußerlich gelassen, alles perfekt und souverän gemanaged hat und selbst bei allerdümmsten und aufdringlichen Passagieren immer freundlich und verbindlich blieb. Das Schiff lebte von der Persönlichkeit des hier und im Forum schon oft genannten Dennie. Hut ab! Ein Allroundgenie mit Charme, ob er auf Deck die Walkinggruppe anführte, das Schlauchbootbesteigen organisierte und beaufsichtigte, die Künstler ins rechte Licht setzte, selbst als (guter) Künstler auftrat und dann noch für jede noch so dumme Frage auch nach 14 Stunden freundlich und ohne Anzeichen von Erschöpfung zu Verfügung stand, ohne ihn wäre es eine andere Reise gewesen!

Unvergessen wird uns die schon oben erwähnte nächtliche Kollision mit der Sandbank weit ab jeder Zivilisation bleiben. Wir wissen jetzt, wie schnell ein galadinierender Kapitän rennen kann. Wie einst auf der Titanic, alle anderen blieben sitzen, machten ihre Witzchen. Die Motoren dröhnten unter vollem Schub rückwärts (Josef, das dauerte 20 Minuten!) und die Durchsage, die ersten Untersuchungen des Schiffes hätten keine Schäden gezeigt, wurden fast mit etwas Bedauern zur Kenntnis genommen. Unvergessen wird uns die coole Durchsage des Kreuzfahrtdirektors bleiben: "Wir verlassen jetzt die Sandbank und setzen unsere Fahrt nach Leticia fort". Unserer Forderung nach Abspielen der Auslaufmelodie wurde nicht stattgegeben.

Die Verpflegung
Solide, abwechslungsreich und sehr gute Kantinenqualität. Alle notwendigen Zutaten waren eigentlich vohanden, aber es gibt da wahrscheinlich verschiedene Welten. Anstatt Salate luftig und locker anzurichten, gingen sie fast immer in Richtung Zwiebel, Paprika, Senf. Etwas Sahne in den Soßen hätte einen Stern eingebracht. Orangensaft zum Frühstück war meist sehr verdünnt, die Weißweinqualität minimal, nach Eingewöhnung trinkbar, aber unterstes Preisniveau, wobei man mit einem im Handel billigst verfügbaren Bordeaux immer auf der sicheren Seite gelegen hätte. Etwas pervers, dass Wasser relativ teuer bezahlt werden mußte, während Wein kostenlos war. Obst hatte seine Schwerpunkte in Äpfel, Birnen, Bananen und Apfelsinen; exotische Früchte, die es auf den Märkten zu Hauf gab, fehlten fast ganz, da sehnten wir uns nach Afrika. Die Küche schien etwas ostdeutsch oder osteuropäisch ausgerichtet zu sein oder der Publikumsgeschmack erforderte es einfach so. Durch den perfekten Service fiel die Qualität nicht so ins Gewicht. Ich habe es mir nicht nehmen lassen, auf dem Amazonas Gänsebraten zu wählen. Das hat was!

Die Landausflüge
Zodiac fahren macht süchtig! Die Ausflüge in die Indianersiedlungen oder die Fahrten auf dem Amazonas wurden sehr gut durchgeführt. Aber auch hier das Problem, warum waren wir immer die Letzten, wenn wir 15 sec. nach Aufruf unserer Farbe am Ort der Schwimmwestenausgabe standen und alle anderen schon ausgeschifft wurden. Das Personal ist halt höflich, anstatt die Drängler zur Strafe mal nach hinten zu schicken.

Wer wie wir immer Glück hatte, als Zodiacführer einen der Vortragsmenschen zu haben, erfuhr viel von Land und Leuten und sah auch nicht so Vordergründiges. Die sonstigen Landausflüge in den Städten waren mit Ausnahme der Stadtrundfahrt in Inquitos/Peru immer sehr gut organisiert und informativ, gaben aber nie Zeit, Interessantes zu vertiefen.

Insgesamt
Wir sind bisher viel in der Welt herumgereist und waren meist allein oder mit Familie eigenorganisiert unterwegs. Eine Kreuzfahrt kann das nicht ersetzen, sehr vieles bleibt sehr oberflächlich und wird nur abgehakt. Wir werden daher solche Fahrten in Zukunft auch nur dann machen, wenn der Ort mit anderen Mitteln nicht erreicht werden kann, das wären für uns die Antarktis, die Nordmeere und die Osterinseln.

Demnächst kommen die Fotos nach.
Norbert
  #9 (permalink)  
Old 05-28-2007, 04:50 AM
sokrates's Avatar
Member
 
Join Date: Jan 2006
Posts: 49
Default
Hier nun einige Momentaufnahmen der Reise. Aus 1200 Bildern eine Auswahl zu treffen ist immer unbefriedigend. Personenaufnahmen habe ich mal nicht eingestellt, mir ist die Rechtslage nicht ganz klar.
Leider bekomme ich es in der kurzen Editierzeit nicht hin, die Bildunterschriften nachträglich unter jedes Bild zu setzen.
Weitere Bildwünsche können gerne erfüllt werden.
Norbert























  #10 (permalink)  
Old 05-29-2007, 03:44 AM
Junior Member
 
Join Date: May 2006
Location: Nuernberg
Posts: 17
Default
Hallo Josef und Norbert,

danke für eure sehr ausführlichen und interessanten Reiseberichte

Hat richtig Spass gemacht, sie zu lesen

LG Lucie
 
Closed Thread

Tags
aida, amazon, amazonas, amazonaskreutzfahrt, amazonaskreuzfahrt, bericht, forum, grand, humboldt, iberostar, joachim, kreuzfahrtschiff, liemberger, reisebericht, reiseberichte


Thread Tools
Display Modes

Posting Rules
You may not post new threads
You may not post replies
You may not post attachments
You may not edit your posts

BB code is On
Smilies are On
[IMG] code is On
HTML code is On
Trackbacks are On
Pingbacks are On
Refbacks are On
 

All times are GMT -7. The time now is 02:41 AM.

Contact Us - Terms of Use - Cruise Reviews Home - Archive - Privacy Statement - Top

Powered by vBulletin® Version 3.7.6
Copyright ©2000 - 2014, Jelsoft Enterprises Ltd.
SEO by vBSEO 3.5.2